Herrenberg: In der Spitalkirche kam Barockmusik auf besonderen Instrumenten bravourös zur Aufführung.
Für Freunde der Barockmusik ist dieser Abend ein Genuss, eine Feierlichkeit ist er zudem: Ein „barockes Klangfest“ stand auf dem Programm der Herrenberger Spitalkirche, die Einweihung zweier neuer Cembali gab den Anlass. Eva Legêne musizierte gemeinsam mit ihrer Tochter Astrid Andersson, Peter Waldner, ein virtuoser Cembalist und Organist aus Innsbruck, kam ins Gäu und spielte, Johannes Fiedler, Kantor der Stiftskirche, trat als Interpret und Improvisator hervor. Ein kleines, ergebenes Publikum erlebte mehr als zwei Stunden Musik von schillernder Detailfreude, klanglicher Opulenz und großem Temperament. Unverkennbar war die große Freude der Musiker an den Instrumenten.Ein einmanualiges und ein zweimanualiges Cembalo stehen in der Spitalkirche Seite an Seite. Erbaut wurden sie von Jan Kalsbeek, einem Instrumentenbauer im niederländischen Zutphen.
Legêne genießt weltweite Anerkennung als Spielerin der Blockflöte; gemeinsam mit ihrer Tochter, die in Dänemark geboren wurde, war sie bereits bei Konzerten in der Spitalkirche zu hören. Auch Peter Waldner gastierte dort bereits, noch vor der Pandemie. Er spezialisierte sich auf die Interpretation Alter Musik, ist auch Leiter einer Konzertreihe für Alte Musik in Innsbruck. Von Eva Legêne, Astrid Andersson und Peter Waldner liegen zahlreiche CD-Einspielungen vor.
Um die die beiden Blockflötenstücke von Jacob van Eyck und Johann Joachim Quantz herum entfachen Peter Waldner und Johannes Fiedler einen regelrechten Sturm barocker Musik, reizen den Klang der Cembali aus, entdecken die ganze Fülle dieser Instrumente. Auf dem Programm stehen Stücke von Girolamo Frescobaldi, Bernardo Storace, Louis Couperin, Georg Friedrich Händel und Johann Gottfried Müthel. Der geradezu orchestrale Klang der Cembali, die klaren Höhen und Bässe füllen die Kirche, malen reich ornamentierte Melodien, zarte, rhythmisch akzentuierte Passagen aus, überraschen durch Frische und Wandlungsfähigkeit. Der Applaus ist groß.
Thomas Morawitzky - Gäubote - Die Herrenberger Zeitung