Das Genie und seine Lehrmeister

Tastenvirtuose Peter Waldner setzte einen opulenten Schlusspunkt unter die Blasiuskonzerte 2023, spielte Werke von Johann Sebastian Bach, Dieterich Buxtehude und Georg Böhm und verlangte sich und dem Publikum einiges ab.

Kaufbeuren – Bachs Genie "fiel nicht vom Himmel", stellte Peter Waldner bei seinen einleitenden Worten zum letzten Kaufbeurer Blasiuskonzert in diesem Sommer klar. Der international renommierte Tastenvirtuose, Dozent und Musikwissenschaftler aus Innsbruck verwies auf die außerordentliche Begabung, aber auch den Lern- und Studierfleiß von Johann Sebstian Bach. Zudem habe er früh den Kontakt zu den "richtigen" Lehrmeistern gesucht und gefunden.

Mit Bachs Mentoren war einerseits Dieterich Buxtehude (um 1637 - 1707), andererseits Georg Böhm (1661 - 1733) gemeint. Jeweils zwei Werke dieser Komponisten sowie im Schlussteil schließlich zwei Werke von Bach selbst - immer eines für Orgel und eines für Cembalo - wurden zu Gehör gebracht. Bestens nachverfolgbar wurde somit einerseits die Entwicklung, die Bach bis zur Ausprägung seines eigenen, später sehr eigenen Stils in seinen Werken für Tasteninstrumente durchlief. Andererseits erlebte man, in welch unfassbar profundem Fundament dies alles wurzelte, was man Jahrhunderte später als "typisch Bach" bezeichnete.

Den Anfang machte Waldner auf der kleinen, vielleicht durchaus das Klangbild des Frühbarocks angemessen wiedergebenden Orgel der Blasiuskirche mit dem Praeludium manualiter in g-Moll BuxWV 163 von Buxtehude. Das im frei-improvisatorischen Stylus phantasticus gehaltene Werk wirkt auch heute noch einfallsreich-frisch und trotz der Moll-Tonart durchaus hell in der Färbung. Ein interessantes Wechselbad aus unterschiedlichsten Klangabschnitten: mal geprägt von schnellen, synkopierten Läufen, mal mit griffigen, auch fugierten Passagen und abgerundet durch einen durchaus pfiffigen Schluss. Waldner machte dabei sehr klar die Vielfalt der kompositorischen Faktur im Barock erlebbar.

Dies wurde gesteigert durch die groß angelegte Variationenfolge Partite diverse sopra l'aria La Capricciosa, die 31 Spielarten der bekannten Melodie La Bergamasca bot. Diese war nicht nur wegen ihres Umfangs das Hauptwerk des Konzerts. Waldner ließ die "Launenhafte" am Cembalo - zumeist ungemein ungestüm und quirlig - toben, leuchtete mit teils atemberaubender Fingerfertigkeit die sehr fröhliche Grundmelodie in feine und feinste Detrailverästelungen hinein spritzig und mitreißend aus. Am interessantesten waren dabei aber vielleicht die seltenen Atempausen in Form eines langsameren Tempos oder einer fast schon modern anmutenden Wendung nach Moll.

Von dieser sehr hohen Ausgangsposition aus stellten die folgenden Stücke fast einen Rückschritt im Hinblick auf die entfesselte Vielfalt der Möglichkeiten dar: Die Partite diverse sopra Freu dich sehr, o meine Seele (Orgel) und eine im französischen Stil gehaltene Suite in c-Moll (Cembalo), jeweils von Georg Böhm, sowie schließlich die Partite diverse sopra Christ, der du bist der helle Tag BWV 766, gespielt auf der Orgel, und die Toccata in d-Moll BWV 913, gespielt auf dem Cembalo, aus der Feder von Bach selbst. Langeweile herrschte bei diesen Werken freilich ebenfalls nicht. Dafür sorgte Waldner mit überlegt und sensibel den verschiedenen Stimmungen und Affekten nachspürender Interpretation. Sozusagen musikalisch überzeugender Normalzustand nach dem Buxtehudeschen "Achttausender" zuvor.

Lucia Buch - Allgäuer Zeitung

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Konzerttätigkeit

Seit vielen Jahren konzertiert Peter Waldner in zahlreichen Ländern und
Musikmetropolen Europas sowohl solistisch an Orgel, Cembalo,
Lautenclavier, Virginal und Fortepiano als auch im Ensemble als Leiter und
Continuospieler.

Sehr gerne gestaltet er auch spezielle Konzertprogramme für Kinder:

  • Alte Musik für junge Ohren
    Eine musikalische Reise durch das barocke Europa für Kinder ab 6 Jahren
    Peter Waldner Cembalo, Virginal & Clavichord
  • Die kleine Prinzessin & die Zauberkraft der Musik
    Ein neues Märchen mit Alter Musik von Peter Waldner & Verena Wolf
    Peter Waldner Spinett

Vortragstätigkeit

Peter Waldner ist immer wieder als Vortragender aktiv.

Vortragsthemen:

  • Alte Musik heute
  • Musik als Sprache und Ausdruck der Seele
  • Alessandro Poglietti "Rossignolo"
  • Johann Sebastian Bach:
    "Orgelbüchlein"
    Das Orgelwerk
    Das Cembalowerk
    Musikalische Rhethorik
    Verhältnis von Text und Musik
    Affekten- und Figurenlehre
    Zahlensymbolik

Lehrtätigkeit

Seit 1993 unterrichtet Peter Waldner Cembalo, Orgel, Generalbass und historische Aufführungspraxis am Tiroler Landeskonservatorium sowie an der Expositur des Mozarteums in Innsbruck.