Besinnliche Bomben, feuriger Salat: Etwas andere Weihnachtsmusik in Innsbruck
Das Ensemble „vita & anima“ spürte im ausverkauften Haus der Musik in Innsbruck vorweihnachtlichen Klängen aus dem Spanien des 15. und dem Italien des 17. Jahrhunderts nach. Hierzulande ist die Vorweihnachtszeit eine besonders süße: Kekse, Glühwein und kandierte Früchte auf den Tischen – und bisweilen picksüße Melodien im Ohr. In der spanischen Renaissance klangen die Festtage ganz anders: In den hochherrschaftlichen Häusern derer von Aragón und Kastilien wurden „Ensaladas“ serviert. „Ensaladas“ heißt soviel wie Salat – und tragen das Salz, das sie würzt und haltbar macht, im Namen. Im Repertoire der höfischen Musik sind damit dramatische Vokalstücke gemeint, die – wie es sich für einen guten Salat gehört – verschiedene Formen, Stile, Affekten und Sprachen kleinteilig vermischen. Ein klangkräftiges Menü: Geistreichster Komponist solcher Klangcollagen war Mateu Fletxa el Vell, dessen Werke – im Grunde sind es kleine Musiktheater – volkstümliche Festkultur mit sakralen Motiven und moralischen Sinnsprüchen verbanden. Zwei seiner Arbeiten, „El Fuego“ und „La Bomba“, kamen am Sonntagabend unter dem Titel „Feliz Navidad“ im Innsbrucker Haus der Musik beim Weihnachtskonzert der „Innsbrucker Abendmusik“ zur Aufführung – makellos interpretiert vom Ensemble „vita & anima“ unter der Leitung von Peter Waldner. Weil soviel vokaler Verve, samt laut- und klangmalerischem Witz, der hiesigen Vorstellung von vorweihnachtlicher Besinnlichkeit etwas widersprechen könnte, erweiterten gängigere Pastoralen von Johann Heinrich Schmelzer und Arcangelo Corelli das fraglos köstliche Menü ins – vom Publikum mit feierlichem Ernst bejubelte – Konventionelle.
Joachim Leitner - Tiroler Tageszeitung